Digitalisierung im Marketing für KMU

Fasttrack: Digitalisierung im Marketing

Eine Anleitung für kleine und mittelständische Unternehmer

Wie kleine und mittelständische Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung ihr Marketing auf's nächste Level bringen? Lesen Sie hier...
Fasttrack ist das gemeinsame Format von CHARISMARCOM und TONEART GmbH & Co. KG um andere Unternehmen zu ermuntern, mehr auf Digitalmarketing und KI, also künstliche Intelligenz, zu setzen.

Lesen Sie hier Folge 1 im Interview nach:

Kirsten Meisinger, Inhaberin der Agentur Charismarcom und Thomas Zeitz, Geschäftsführer von TONEART GmbH & Co. KG, über die Digitalisierung im Marketing, den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Fördertöpfe zur Digitalisierung der Unternehmenskommunikation.

 

Kirsten: Thomas, wenn man deinen Werdegang hört, wäre der Filmtitel „Vom Kommissar zum KI-Spezialisten.“…

 

Thomas (lacht): Vor gut 30 Jahren absolvierte ich eine dreijährige Ausbildung zur Kommissarslaufbahn im gehobenen Dienst bei der Polizei. Parallel betrieb ich bereits ein volldigitales Tonstudio mit Samplern, Synthesizern und Sequenzern. Dazu inspiriert hatte mich meine Lieblingsband Depeche Mode, einer der Erfinder der elektronischen Popmusik in den 80ern.

Dann durfte ich einen Werbejingle für ein Fitnessstudio in München komponieren, welcher auf Radio Energy lief. Das war der Startschuss einer Tonstudiokarriere Mitte der 90er Jahre und die Firma TONEART entstand. Den Polizeiberuf musste ich dafür an den Nagel hängen. Während die Konkurrenz noch auf analogen Bandmaschinen produzierte, erhielt ich schnell Aufträge von zahlreichen lokalen Radiostationen, da unser Studio eine der ersten volldigitalisierten Produktionssuiten war. Bei Werbespots zählt die Schnelligkeit der Produktion, natürlich der Klang und die Kreativität der Spots im Werbeblock. Da hatten wir eindeutig die Nase vorn auf dem Markt. Das veranlasste eine größere Mediagroup, sich im Jahr 2000 an unserer Firma mit 50 % zu beteiligen. Nette Anekdote: Damals wurde in Gesellschafterrunden ernsthaft diskutiert, ob Internet „eine Zukunft hat.“

Fasttrack: mit digitalem Marketing durchstarten

Kirsten: Ihr bietet Livestreaming – warum sollten Unternehmen B2B/ B2C auf Livestreaming setzen?

Thomas: Livestreaming ist zeiteffizient und spart noch dazu Kosten und CO2, denn lange Reisen zu Kunden-Meetings oder Messen mit Auto, Bahn oder Flugzeug gehören damit der Vergangenheit an. Große Firmen wie bei uns hier in Augsburg z.B. MAN setzen schon lange drauf, aber auch kleinere Firmen wie Tanzstudios, Musikschulen oder Fitnesstudios, Schulen und Kirchen setzen spätestens seit dem Lockdown auf Livestreaming. Plattformen wie Facebook, YouTube oder Twitch bieten den Stream-Produzenten eine vollumfängliche Streamingplattform mit vielen Features wie z. B. Chats, Musik, Untertiteln und anderen Möglichkeiten der Interaktion. Livestreams machen uns örtlich und zeitlich vollkommen unabhängig, denn wir müssen nicht vor Ort sein und der Livestream kann nach der Ausstrahlung jederzeit wieder von den jeweiligen Plattformen abgerufen werden, solange er dort vom Hoster gespeichert wird.

Kirsten: Gerade in Social Media sehen wir den steigenden Einsatz von Livestreams. Denn damit bewirke ich als Unternehmen eine gesteigerte Reichweite und punkte durch Aktualität, denn es passiert genau jetzt und jeder kann per Livestream „teilnehmen“.
 
Thomas: Genau! Ich kann mit meinem Smartphone einen Facebook- oder YouTube-Livestream erstellen und z. B. per WhatsApp bereits Multicamera-Modes für mehrere Teilnehmer schaffen. Livestreaming egal in welcher Art wird aus unserem zukünftigen Leben nicht mehr wegzudenken sein.

Fasttrack: mit digitalem Marketing durchstarten

Kirsten: Als Profis für Film- und Radiospots übersetzt ihr die Kommunikationsziele von Unternehmen in bewegte Bilder und Audio. Was sind deine drei wichtigsten Tipps für Marketingprofis, wenn sie einen Spot drehen wollen? 

Thomas (grinst): Drei Punkte sind zu wenig! Für einen erfolgreichen Werbespot sind mehrere Faktoren wichtig: Ein guter Spot muss besonders und einzigartig sein. Er soll ins Ohr gehen, im Kopf hängen bleiben und genau die richtigen Botschaften an genau die richtigen Zielgruppen senden.

Denn wer sich entschließt, Werbung im Radio oder TV zu schalten bzw. auf den sozialen Plattformen zu streamen, möchte einen möglichst effektiven Spot ins Rennen schicken. Ein kreatives Konzept, professionelle Sprecher, eine erstklassige Produktion mit erfahrenen Producern und ein gut abgestimmten Mediaplan in Funk und TV sind elementar.

Wir haben den TONEART Spot-Knigge so zusammengefasst:

  1. Nimm dir Zeit, um deine Geschichte im Spot zu erzählen!


  2. Der Zuhörer will überrascht werden; wir finden dieses überraschende Element, das hängen bleibt.


  3. Dein Mut zu Neuem wird belohnt – entsprich niemals den Erwartungen!


  4. Nur eine Botschaft pro Spot!


  5. Die Zielgruppen wollen respektiert und geachtet werden!


  6. Ehrlich währt am Längsten!


  7. Spiele mit ungewöhnlichen akustischen und optischen Reizen!


  8. Nutzen den Spot als visuelles Medium: Erzeuge Kino im Kopf, auch im Radio!

  9. Ein Alleinstellungsmerkmal muss sein!


  10. Trotz aller Regeln: auf Einfachheit im Spot setzen!


Die selben Regeln gelten natürlich auch für kurze Social Media Clips auf YouTube und Instagram.

Fasttrack: mit digitalem Marketing durchstarten

Kirsten: Wie wirkt sich der Lockdown bei TONEART aus?

 

Thomas: Zu Beginn unseres Unternehmens erwirtschafteten wir 99 % des Umsatzes aus Produktionen für Radio, Kino und TV. Seit Beginn des Lockdowns hat sich das komplett gedreht. Nun erwirtschaften wir 99 % des Umsatzes aus den Einnahmen unseres Online-Shops. Den haben wir 2013 gegründet – damals wurde ich belächelt, denn niemand glaubte mir, dass Kunden zukünftig hochpreisige Kameratechnik online kaufen würden, ohne diese zuvor in den Händen gehabt oder in einem Showroom besichtigt zu haben. Doch innovative Shopsysteme wie unser Adobe Magento 2 Enterprise Shop mit zahlreichen innovativen Features und vor allem sicheren Bezahlmethoden für unsere Kunden machen es möglich, auch komplette Produktionssysteme im hohen fünfstelligen Bereich bei uns online zu kaufen. Dabei setzen wir nicht nur auf guten Content und Beratung per Telefon und E-Mail, sondern arbeiten auch mit einem intelligenten ChatBot, der 75 % der Fragen unserer Kunden im Hintergrund beantwortet, ohne dass ein Mitarbeiter von uns eingreifen muss.

 

Kirsten: Also hat euch euer Shop das letzte Jahr wirtschaftlich gerettet. Jetzt hat nicht jedes Unternehmen Produkte für einen Shop, aber jedes Unternehmen kann auf Digitalisierung setzen. Was rätst du anderen Unternehmern?

 

Thomas: Als Werbeagentur macht es mich etwas traurig und betroffen, dass genau die alt eingesessenen Unternehmen wie Modehäuser, Tanzschulen, Gastronomiebetriebe oder auch der komplette Einzelhandel nun besonders stark vom Lockdown betroffen sind. Deshalb rate ich jedem Unternehmer sich zu fragen, wie kann ich mein Portfolio digitalisieren? Und bin ich bereit, die Investition für die Zukunft zu wagen? Die Erde dreht sich immer schneller und jedes verlorene Jahr in der Weiterentwicklung eines Unternehmens kann bereits das letzte Jahr am Markt sein.

 

Kirsten: Der Lockdown hat die Nachfrage nach Online-Informationen und Online-Abwicklung stark beschleunigt, dafür sind viele Unternehmen aktuell noch nicht gut genug aufgestellt. Der Publizist und Journalist Gabor Steingart formuliert es so: „Produkte und Dienstleistungen, die sich nicht durch das Mobiltelefon organisieren lassen, sind dem Untergang geweiht.“
Wenn ich mich mit Kunden über eine Landingpage/ Shop unterhalte, beschreibe ich den Bestellvorgang wie das Element Wasser: Es sucht sich den Weg des geringsten Widerstands. Viele Kunden sind gewillt, etwas mehr Zeit und Budget einzusetzen, um den Klick in ihrer Stadt zu lassen. Aber Zeit ist auch eine begrenzte Ressource, und wenn ich es nicht einfach genug mache, bei mir zu bestellen, geht der Kunde eben woanders hin.

 

Thomas: Ja, genau! Also ist unser gemeinsames Fazit so etwas wie:

  1. Wer mobil (und nicht mehr nur online) nicht sichtbar ist, hat ein riesen Problem.
  2. Produkte und Services sollten mindestens digital buchbar sein.
  3. Die Digitalisierung (des Marketings, des Vertriebs, der Produkte selbst) ist das Pferd, auf das wir alle setzen sollten.

Kirsten: Du hast ja grad schon den ChatBot, also eine Funktion mit künstlicher Intelligenz, bei euch im Shop angesprochen. Wie funktioniert die KI bei euch im Shop?

Thomas: Wir wollen mit dem TONEART-Shop einen Gegenpol zu den Tech-Riesen zu schaffen und setzen auf die zukunftsweisende Plattform von ADOBE Sensei – der künstlichen Intelligenz für das perfekte Kundenerlebnis. Der Shop muss natürlich stetig mit Kundendaten angefüttert werden bzw. ADOBE Sensei lernt aus immer wiederkehrenden Algorithmen, was die Kunden wünschen. Wir setzen vor allem auf modernen KI- und Aftersales-Funktionen: Unser Shop kümmert sich im Hintergrund um Warenkorbabbrecher, bietet Kunden Rabattaktionen und baut die Shopwelt nach den Bedürfnissen des jeweiligen Kunden auf. Das sind Klassiker wie „Produkte im Warenkorb hinterlassen ohne zu kaufen“, „Erinnerung an einen noch nicht eingelösten Rabattcode“ oder „Artikel auf der Merkliste, die nun reduziert“ sind. Der Kunde erhält dann weitgehend nur Produkte nach seinen Bedürfnissen.
Adobe kann zusätzlich die Daten aus dem Shop anonymisiert auswerten, um für den Kunden intelligente Produktvorschläge mit dem Ziel des Up- und Cross-Sellings zu generieren. Das können sein: „Beliebte Produkte“, „Ähnliche Produkte“, „Kunden haben auch das angesehen oder gekauft“, die jeder gute Shop hat.
Es gibt noch weitere Enterprise Features wie „Elastic Search“, eine intelligente Produktsuche in unserem Shop, das B2B Modul für Geschäftskunden oder ADOBE Sensei. Ein MUSS ist der vorgefertigte PageBuilder für gezielte Marketingaktionen wie Black Friday, Weihnachten, Ostern. Unser ChatBot kümmert sich im Hintergrund um FAQs unserer Kunden und vergibt bei Bedarf ein Ticket an unseren Sales-Support, falls ein direkter Kommunikationsaustausch mit unseren Mitarbeitern vom Kunden erwünscht ist. Zusätzliche Designs wie Warenkorb Overlays oder die Platzierung der Social Media Buttons gehören ebenfalls zu einem gelungenen Online-Shop auftritt.

Kirsten: KI hört sich also erstmal abstrakt an und klingt, als wäre es etwas nur für große Unternehmen. Wobei wir alle, privat und geschäftlich, bewusst oder unbewusst ja bereits viele Funktionen mit Künstlicher Intelligenz nutzen: Stichwort Werbeausspielungen und Kontaktvorschläge auf Google, Facebook, Instagram, XING, LinkedIn und Co.
Dieses Gespräch veröffentlichen wir ja, um andere Unternehmen zu ermuntern, mehr auf Digitalmarketing und KI zu setzen. Bei Google Ads oder Facebook sind das Funktionen wie Remarketing, Target-Audiences oder Look-alike-Audiences oder die Smart-Bidding Funktionen. Hier können auch KMU unkompliziert einsteigen, alleine oder mithilfe einer Agentur.
Wie sollten Unternehmen deiner Meinung nach das Thema KI proaktiv angehen?

Thomas: Die Unternehmen sollten offen sein für die neue technische und intelligente Welt und dabei bereits vorhandene Plattformen nutzen, die meist aus den USA kommen. Das ist alles kein Hexenwerk, sondern die Tools dafür bestehen meist und müssen von den Usern nur genutzt werden. Wir verknüpfen unseren Shop mit Google Shopping, Google Ads, Facebook, Instagram, Twitter, Pinterest und Push Notifications. Sogar unser ChatBot unterrichtet via Push Notifications unsere Kunden über News, Tipps und Tricks sowie Special Deals. Die Nachrichten kommen direkt aufs Smartphone.
Wer diese Plattformen intelligent zu bedienen und verknüpfen weiß, der kann sich durch automatische Werbe- und Infomaßnahmen einen gewaltigen Vorsprung gegenüber seinen Mitbewerbern erarbeiten.

Fasttrack: mit digitalem Marketing durchstarten

Kirsten: Lass uns noch über Fördertöpfe dafür reden! Beliebte Förderprogramme sind „Digital Jetzt“, „go-digital“ oder der „Digitalbonus Bayern“. Je nach Ausrichtung des Programms fördern sie Hardware, Software, die Digitalisierung des Marketings, die Produktion selbst oder die Weiterbildung der Mitarbeiter. Einige Förderungen können Unternehmen selbst beantragen, andere wie „go-digital“ laufen über autorisierte Berater wie unsere Agentur. Ihr habt ja auch eine Förderung bekommen!

Thomas: Ja! Im Jahr 2017 erhielten wir über den Digitalbonus Bayern je eine Förderung für Innovationen in unserem Shop und für IP Sicherheit auf unseren internen Servern. Dieses Jahr wollen wir zusätzlich go-digital als Förderung beantragen. Und mit einem Fördertopf können Unternehmen dann Profis wie euch oder uns beauftragen.

Kirsten: Thomas, letzte Frage: der Shop läuft, was sind deine nächsten Pläne?

Thomas: Genau gestern ging unser neuer Online-Sender „Depeche Mode In The Mix“ auf der Plattform „Radio.de“ On Air. Da schließt sich der Kreis.

Sie möchten das Marketing Ihres Unternehmens ins digitale Zeitalter bringen? Wir freuen uns auf Ihre unverbindliche Anfrage.

 

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